Rapha Ambitious 220 – Outro 01/02

Nach einiger Zeit der bloggenden Zurückhaltung blicke ich nun zurück auf die Rapha Ambitious 220 Challenge.

Die erste Hürde war es noch eine geeignete Startzeit zu finden. Fest steht ja bereits, wir fahren die Tour am Stück. Am Abend der Challenge sind wir zudem noch auf einem Geburtstag eingeladen und man erwartet uns dort nicht. Genau die richtige Voraussetzung für eine Überraschung mit Challenge innerhalb der Challenge. „Frag mich nie wieder ob ich mit dir eine Challenge machen möchte“ ist die Reaktion von Matthias auf die von mir durchgeboxte Startzeit.

Es ist der 26.Juni und mein Wecker klingelt quasi mit dem Tagesbeginn. Es ist 00:01 Uhr und viel geschlafen habe ich bisher nicht. Viel zu groß war die Aufregung. Denn am Vortag um 17 Uhr ruft mich Hiob höchstpersönlich an. „Ich kann leider nicht mit. Meine Felge ist gerissen!“ ertönte die Stimme von Matthias in meinem Handy. Ich denke an einen schlechten Scherz. Aber seine Stimme klingt dafür viel zu Ernst. Vielleicht habe ich es mit der Startzeit doch übertrieben, geht mir im Anschluss kurz durch den Kopf. Doch den Gedanken werfe ich direkt und biete lieber meine Hilfe an. Ich ermutige Matthias doch mal mit seinem Fahrradhändler zu telefoniern, während ich mich in meinem Keller umschaue. Es scheint als wäre eine schnelle und einfache Lösung gefunden. Doch das Unheil nimmt seinen Lauf. Matthias schafft es nicht rechtzeitig zum Händler. Der hatte angeboten kurzfristig ein Hinterrad als Ersatz zu stellen, alles musste aber sehr schnell gehen. An dieser Stelle trotzdem einen fetten Dank an Kai Brüne! Erneut bekomme ich somit einen Anruf der ernüchternd ist. Nun muss Plan B her. Wir treffen uns bei mir um zu testen ob das Hinterrad von meinem Rennrad passt. Ich habe mich aufgrund der angenehmeren Geometrie für das Gravelbike entschieden. Und siehe da, nach Umbau der Kassette ist alles im Lot. Matthias hat nun doch ein funktionsfähiges Fahrrad und wir trinken noch schnell ein Bier auf den Schock. Die Zeitplanung ist jedoch hinfällig, richtige Entspannung ist nicht mehr drin. Wenige Stunden später stehen wir um 00:30 Uhr an „DER“ Bank. Ok, ich gebe zu, bei mir war es 00:40 Uhr. Bis heute hoffe ich übrigens meine Nachbarn haben nicht gesehen, wie ich mich kurz nach Mitternacht in kurzer Radkleidung mit Sonnencreme einschmiere, um im Anschluss Porridge vom Vortag zu frühstücken.

Da stehen wir nun zu zweit und doch allein, mitten in der Nacht, an unserem beliebten Startpunkt für Gruppenfahrten. Doch heute kommt niemand mehr. Wir quatschen daher nicht lange und wattnern direkt los. Der Mond leuchtet leicht rötlich in seiner vollen Pracht. Man könnte die Fahrradbeleuchtung ausschalten und würde immer noch genug sehen. Tieraugen reflektieren unser Licht im Straßengraben direkt hinter den Ortsschildern. Es sind viele Katzen auf den ortsnahen Landstraßen unterwegs. Aber auch einige Füchse und Waschbären können wir in der Dunkelheit ausmachen. Lange Zeit begegnet uns kein Auto. Was für eine Ruhe, die nur sporadisch durch unsere Freiläufe gestört wird. Ein unglaublich freies und naturverbundenes Gefühl zu dieser Zeit mit dem Rad unterwegs zu sein. In Hann. Münden überqueren wir Fulda und Werra um der B3 in Richtung Dransfeld zu folgen.

2:20 Uhr und der Mond scheint hell herab auf die Fulda

Über einen tollen Radweg erreichen wir Rosdorf. Ab hier ändert sich das Bild. Es ist ca. 4 Uhr, die ersten Bäckerein werden beliefert und es duftet herrlich auf den Straßen. In Göttingen gehen die letzten Studenten ins Bett, die ersten Arbeiter verlassen das Haus. Das Leben nimmt wieder Fahrt auf. Wir durchqueren Göttingen um eine erste Pause einzulegen. Kurzer Abstecher in die sozialen Medien, Riegel essen, Toilette, weiter geht’s!

Die Sonne erhebt sich langsam am Horizont. Es bricht nun die kälteste Phase unserer Tour an. Nur noch 5 Grad Celsius zeigt der Radcomputer an und die Finger werden zum größten Problem. Die hohe Luftfeuchtigkeit am Morgen lässt die Hände zudem aufweichen. Ohne Handschuhe eine echt ungemütliche Sache. Das Lenkerband greift sich fortan unbequem, an den Händen entstehen erste Druckstellen. Die Hände sind nun so kalt, dass die Betätigung von Bremse und Schaltung zunehmend schwerer fällt. Zum Glück können wir uns durch den wunderschönen Sonnenaufgang, untermahlt von mystisch anwirkenden Tiefnebel, ablenken, bis nach ca. 1h langsam Besserung eintritt und die Temperatur wieder steigt.

Bei Tiefnebel auf verlassenen Feldwegen der aufgehenden Sonne entgegen

Um 6:45 Uhr erreichen wir die Odertalsperre. Erneut bietet sich uns ein tolles Bild vom Sonnenaufgang.

Blick auf den Oderstausee bei Sonnenaufgang

Wir folgen der, um diese Uhrzeit noch wenig befahrenen, Bundesstraße 27 bis nach Braunlage. Hier ist es nun an der Zeit eine richtige Pause einzulegen. In der Back-Manufaktur Wagner werden wir freundlich empfangen. Auf der Toilette dürfen wir unsere Trinkflaschen mit Wasser füllen. Das Frühstück können wir auf der angrenzenden und fix für uns geöffneten Terrasse in der Sonne genießen. Zwei Brötchen und einen Kaffee später sitzen wir wieder auf unseren Rädern. Ab nun geht es fast ausschließlich bergauf. Wir passieren das Örtchen Elend (Anm.d.Red.: Name nicht geändert). Weiter geht es nach Schierke. Ab dort ist der Brocken nur noch zu Fuß, mit dem Rad, oder der Brockenbahn zu erreichen. Das macht es recht angenehm. Man muss sich nicht auf den Verkehr konzentrieren. Die Anzahl der Wanderer ist gegen 9 Uhr zudem auch noch überschaubar. Es kommt uns fast vor als hätten wir die Auffahrt für uns exklusiv.

Was sich uns dann zeigt ist ein Anblick der nachdenklich stimmt. Ich muss unweigerlich an den Mont Ventoux denken. So wie es aussieht, wird man den Brocken wohl bald auch den „kahlen Berg“ nennen können.

Bald eine Landschaft wie am Mont Ventoux?

Nach einigen gemeinsamen Höhenmetern kann ich das Hinterrad von Matthias nicht mehr halten. Wir trennen uns und ich bekomme fortan kleine Schwierigkeiten. Meine Oberschenkel fangen in einer steilen Rampe an leicht zu krampfen. Zu meiner Erleichterung können die Krämpfe durch eine kurze Pause und die Einnahme eines Energy Gels gestoppt werden. Die Fahrt wird fortgesetzt und so komme auch ich, mit etwas Verzögerung, auf dem Dach unserer Tour an. Es ist 10 Uhr und wir sind top of the Brocken!

Top Of The Mountain

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