Gorilla!

Eine echt miese Woche liegt hinter mir. Gerne würde ich was anderes schreiben. Jedoch kann ich nun meine Erfahrung nutzen, es gibt mir halt.

Eichhörnchen

„Schließen Sie die Augen und stellen Sie sich eine Landschaft vor. Wenn Sie ein Tier wären, welches Tier wären Sie? Wie fühlen Sie sich in dieser Situation?“ lautete eine Aufgabenstellung während meinem Klinikaufenthalt. Auf einer Karteikarte halte ich zu den Stichpunkten Landschaft, Gefühl und Tier das Ergebnis fest. Auf der Karteikarte prangt die Überschrift „Depression“.

Diese Karteikarte liegt nun mahnend vor mir. Das Bild erscheint wieder vor meinen Augen. Die letzten Tage habe ich eine emotionale Achterbahnfahrt vom feinsten hingelegt. Meine Vorahnung hat sich leider bestätigt. Ungelöste Konflikte, einhergehende Existenzangst, Termindruck der ausgeübt wird. Mir fehlt gerade jeglicher Lichtblick. Erneut habe ich mich durch den Nebel leiten lassen und wieder wurde ich an einen Abgrund geführt. Ich fühle mich allein, totale Unsicherheit macht sich breit. Mir fehlt jegliche Vorstellung wo der Weg sein könnte. Der Nebel ist einfach zu dicht. Alles wirkt grau und gefährlich. Der Abgrund könnte nach jedem Schritt lauern. Hilflosigkeit, ich erstarre wie ein Eichhörnchen. Nur um im Anschluss die Flucht ergreifen zu können.

Doch selbst wenn ich einen Baum finden sollte, dort kann ich ja nicht ewig bleiben. Schon zu meiner Therapeutin habe ich gesagt, dass ich mich als Eichhörnchen irgendwie unwohl fühle. Zu ängstlich und ausschließlich reagierend.

Gorilla

„Dabei bin ich doch eher ein Gorilla!“ waren meine Worte. Jemand der nach außen hin bedrohlich erscheinen mag, innerlich aber geerdet, ruhig und gelassen ist. Der mit seinem geselligen, freundlichen und spontanen Wesen auf ein möglichst langes Leben blickt. Auf die Brust wird nur geklopft wenn die Gruppe bedroht wird. Dabei abschreckend wirken, jedoch niemanden verletzen wollen. Kraft und unbändigen Willen ausstrahlend. Imponiergehabe eines Silberrücken? Nein, denn eigentlich dachte ich in diesem Moment, wie sollte es als begeisteter Radfahrer anders sein, an Andre Greipel. Aber auch Andre Greipel kann ein Straßenrennen nicht ohne Hilfe, nur durch puren Willen und Krafteinsatz gewinnen. Er benötigt ein Team auf das er sich verlassen kann, die in und an ihn glauben, den Gorilla in die richtige Position fahren. Wenn das alles passt, dann fährt man mit 38 Jahren nach über 2-jähriger Durststrecke auch wieder Siege ein. Um genau zu sein zwei Stück innerhalb von sechs Tagen. Es wird daher Zeit, dass ich mein Team neu aufstelle. Denn ich befinde mich leider nicht bei einer Radtourenfahrt (kurz: RTF), sondern als Sprinter mitten in der Bergetappe einer Grand Tour. Lange habe ich gehofft es sei eine RTF. Man startet gemeinsam, zwischendurch wird auch mal attackiert, aber an der Labestation findet man doch wieder zusammen um das Ziel gemeinsam zu erreichen. Die Zeit wird nicht gestoppt, es gibt keinen Gewinner und Verlierer.

Nun hat sich der Nebel allerdings verzogen und der Besenwagen sitzt mir schon im Nacken. Jetzt bloß nicht aus dem Zeitlimit fallen.

Also Kopfhörer rein, in die Pedale treten und neue Energie tanken.

I’m seeing things I’ve never seen
Is this a dream or something real?

Go go gorilla take me where you go oh
Go go gorilla take me where you go oh

Take me with you!“ – Fil Bo Riva / Song: Go Rilla

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