Das Leben reduziert auf zwei Taschen

Auf in das erste Bikepacking Abenteuer! Oder auch nicht?

Neulich erreicht mich ein Packet voller Freiheit. Jedenfalls fühlt es sich aktuell so an. Ich muss zugeben, der Gedanke mit dem Rad in Richtung Selbstfindung zu reisen ist leider wieder omnipräsent. Die innere Zerissenheit nimmt zu. Das Pain Cave Kopfkino hat leider wieder geöffnet.

Sneak Preview

Das Packet öffne ich daher mit einem seltsamen Gefühl. Da sind sie nun, die Utensilien welche mich -vermeintlich- in eine bessere Zukunft führen sollen? Sieht nicht danach aus. Jedenfalls bis zu dem Moment, als ich Lenker- und Rahmentasche provisorisch an meinem Bike befestige. Ist das nun mein neues Leben? Die Vorstellung wird präsenter. Mein Fahrrad, ein Rose Backroad welches während meinem Klinikaufenthalt geliefert wurde, hat sich verändert. Für mich befremdlich, hatte ich das Bike doch eigentlich für Trailspaß und Wintertraining zugelegt. Nun sieht das Bike nach Rastalocken, Freiheit und Abenteuer aus. Doch nach kurzer Bedenkzeit kommen die ersten Zweifel auf. Die Taschen wirken winzig und wie will ich da nur alles reinbekommen? Dabei denke ich nicht einmal an eine Weltreise, sondern lediglich an eine Nacht auf dem Brocken. Verdammt wenig Platz. Ich werde mich auf das Wesentliche konzentrieren müssen. Besonders in meiner aktuellen Phase kommt das sehr gelegen. Eine perfekte Übung also. Was wird mich erwarten? Erst einmal Popcorn kaufen und schon geht es los.

Der Vorhang fällt

Die letzten Jahre hätte ich überhaupt nicht darüber nachgedacht eine Tour auf den Brocken mit Pause zu fahren. Pausen habe ich gemieden. Die Berge mit Aufgaben wurden während jeder Pause größer. Für mich war es einfacher zu ertragen keine Pausen zu machen. Nun also einen neuen Weg einschlagen. Alte Gewohnheiten hinter mir lassen, entschleunigen und Kräfte schonen. Unnötigen Balast erkennen. Ich glaube darum geht es im Kern wenn man als Aussteiger unterwegs ist. Fokussierung, Reduzierung, Selbstfindung. Das Gefühl zu haben, da muss es doch noch mehr geben, nur um mit weniger zufrieden zu sein. Im Alltagsrauschen trivial erscheinende Dinge gehen unter, finden neue Aufmerksamkeit und erscheinen in einem anderen Licht. Wahrscheinlich muss man es jedoch spüren, denn es ist leichter gesagt als getan. Besonders wenn während einer Depression eh alles dunkel erscheint, man sein eigenes Spiegelbild nicht mehr sehen kann, den Sinn des Seins nicht mehr versteht.

Leider muss ich beobachten, dass die Gesellschaft zunehmend oberflächlicher wird, den Faden verliert. Alles scheint selbstverständlich. Das ausgerufene Motto lautet höher, schneller, weiter. An Kleinigkeiten erfreuen unmöglich. Überhaupt keinen Blick mehr für das was man eigentlich schon hat und was man davon wirklich benötigt. Minimierung statt Maximierung sollte die Devise sein. Sei mal ehrlich zu Dir selbst, wann hast Du dich das letzte Mal für einen Mitmenschen gefreut? Damit meine ich nicht Schadenfreude! Wann warst Du das letzte Mal damit zufrieden ‚einfach‘ nur Essen auf dem Tisch stehen zu haben, gesund zu sein? Etwas was alles andere als selbstverständlich ist, wenn man in der Lage ist über den Tellerrand zu blicken. Es mag vielleicht an meiner aktuellen Situation liegen. Aber auch in Situationen, die von meiner völlig unabhängig zu betrachten sind, stelle ich immer wieder fest, der Mensch redet übereinander und nicht miteinander. Gegeneinander anstelle von gemeinsam lautet das Motto. Getrieben von Neid, Missgunst, Rechthaberei, gepaart mit Manipulation. Angekettet in der Höhle der mangelnden Selbstreflexion, zur Sicherheit noch Augenklappen und Gehörschutz tragend. Aus Angst vor der Erleuchtung? Weil die Dinge im Licht auf einmal völlig anders als in der düsteren Vorstellung erscheinen könnten? Wer weiß das schon.

Abspann

Der Film ist vorbei, es wird hell. Das Pain Cave Kopfkino schließt jeden Moment. Schnell also noch die Krümel vom Popcorn beseitigen, denn im Pain Cave ist niemand der diese Aufgabe übernimmt. Im Pain Cave muss man selbst aufräumen.

Kann ich das oben beschriebene Verhalten einiger Menschen verurteilen? NEIN! Will ich auch nicht. Jeder hat mal einen schlechten Tag, muss mal Dampf ablassen. Das ist auch wichtig, denn sonst frisst es einen innerlich auf. Oft werden Situationen auch missverstanden, was fehlt ist dann einfach nur das tiefergehende Gespräch. Doch dann gibt es leider auch Menschen die an dem Verhalten gefallen gefunden haben, oder nichts anderes kennen, bzw. zulassen wollen. Gewissenskonflikte? Fehlanzeige. Bis zu einem gewissen Punkt lasse ich auch das über mich ergehen. Meistens aber noch zu lange. Immer wieder werde ich dadurch runtergezogen. Was umso ärgerlicher ist, da völlig unnötig. Meine Achtsamkeit scheint in diesem Punkt wieder besser zu werden. Es schockt mich nicht mehr so wie früher, da ich es auf mich zukommen sehe. Was mir fehlt ist die Kraft es zu ertragen. Bis dahin versuche ich so glücklich wie möglich zu sein. Denn jeder ist seines Glückes Schmied. So schwer das auch erscheinen mag.

Was mir bleibt ist somit die radikale Akzeptanz und die Wahl was einen Platz in meinen zwei neuen Taschen verdient hat. Damit aus der Radreise keine Flucht, sondern das normale Leben wird. Da geht mir durch den Kopf, eine Lichtquelle sollte ich immer in einer der Taschen haben. Um im Pain Cave nicht die Orientierung zu verlieren, den Ausweg schnell zu finden.

Wenn Du dich angesprochen fühlst, verstehst was ich meine, dann haben wir nun unser Leid geteilt. Ich hoffe es hilft dir dabei dein Glück wieder selbst in die Hand zu nehmen! Denn geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

Kopf hoch und lass dich nicht ärgern!

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