Welliges Profil

Kennst Du diese Tage, die bereits mit dem Lesen der ersten aktuellen Nachricht gelaufen sind? An denen Du dich am liebsten direkt wieder ins Bett legen möchtest weil es Dich so runterzieht? Gestern war ein solcher Tag. Aber auch an diesen Tagen ist nicht alles schlecht. Die Erkenntnis kommt nur später.

Während dem Kaffee am Morgen lese ich von dem Seilbahnunglück in Italien. Bisher habe ich davon nur flüchtig im Radio was mitbegommen. Den Nachrichten ist zu entnehmen, dass dieses Unglück lediglich ein 5-jähriger Junge überlebt hat. Bei dem Unglück sind 14 Menschen gestorben, darunter Eltern, Bruder und Urgroßeltern des Jungen. Es kostet mich große Überwindung einen solchen Artikel überhaupt zu lesen. Allein die Überschrift löst ein Gefühlschaos aus. Das Lesen des Artikels zieht mich runter. Ich empfinde es als unerträglich welche Zeit nun auf den Jungen und den Rest der Familie zukommt. Es macht mich zudem fassungslos als ich von den ersten Vermutungen zum Hintergrund des Unglücks lese. Weiter möchte ich an dieser Stelle aus Respekt vor allen Beteiligten auch nicht darauf eingehen bzw. (vor)urteilen. Zudem wühlt es mich gerade wieder auf. Mein Mitgefühl ist jedenfalls bei allen Angehörigen, Freunden und Bekannten der Opfer!

Ich lasse die Nachrichten hinter mir und beginne mit der Arbeit. Die Ablenkung tut gut. Der Tag verläuft normal. Am Nachmittag habe ich einen Termin. Der Termin betrifft meine unmittelbare Vergangenheit. Eine Zeit mit der ich nach 1,5 Jahren endlich mal in Versöhnung abschließen möchte. Im Anschluss an den Termin ist die Hoffnung darauf leider verflogen. Auf der Heimfahrt muss ich wieder an das Seilbahnunglück denken. Es zeigt wie zerbrechlich das Leben sein kann, wie schnell aus Glück doch Unglück werden kann, dass Leben nicht selbstverständlich ist. Umso mehr ärgert es mich wenn immer wieder alte Wunden aufgerissen werden. So gut es ging habe ich es über mich ergehen lassen. Lange genug habe ich in der Vergangenheit jeden Fehdehandschuh aufgehoben und mich letztlich an Schuldgefühlen überhoben. Es fällt mir dennoch schwer diesen Termin zu verarbeiten. So muss sich also ein Hamster im Hamsterrad fühlen. Letztlich tritt er doch nur auf der Stelle, kommt immer wieder unten an. Frustration macht sich breit. Das Pain Cave ist voll.

Der erneute Gedanke an die Nachrichten vom Morgen lassen meine Probleme auf einmal nichtig erscheinen. Ich raffe mich noch einmal auf und kurzfristig wird am Abend eine Runde mit dem Rennrad eingeschoben. Der Horizont ist mit schwarzen Wolken bekleidet. „Was auch sonst? Passt ja zum Tag!“ geht mir kurz durch den Kopf. Doch Regen hat mich noch nie vom Fahrrad fahren abgehalten. Im Grunde fahre ich sogar ganz gerne mal im Regen. Also besinnen und einen kurzen Blick auf den Regenradar werfen. Tatsächlich tut sich eine kleine Wolkenlücke auf. Die Route wird entsprechend ausgelegt. Mit Erfolg, denn nur kurz bin ich dem Regen ausgesetzt. Die Regenwolke trieb mich in eher unliebsames Gelände. Die überwiegend flache Warburger Börde spricht mich mehr an als das Wolfhager Land mit seinem welligen Profil. Doch ich finde gefallen an der Tour. Es ist kurzweilig, weil es ja schon einige Zeit her ist diese Wege gefahren zu sein. Über die kurzen Anstiege komme ich besser als erwartet. Die Runde fällt länger aus als geplant. Gute 15 Kilometer länger.

Unerwartet verziehen sich auf den letzten Kilometern die Regenwolken und die Sonne kommt zum Vorschein. Der Gemütszustand bessert sich und so findet ein düsterer Tag im Pain Cave noch seinen versöhnlichen Abschluss.

Auch hinter den dunkelsten Wolken scheint die Sonne

Auch in Zukunft werden mich solch furchtbare Nachrichten nicht kalt lassen. Aber um das Pain Cave zu verlassen muss es eben auch mal das wellige Profil sein!

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